dmOffice – mein neues Projekt: das Büro auf dem eigenen Server

Mail, Kalender, Kontakte, Aufgaben, Notizen und Dateien – das meiste davon liegt heute bei irgendeinem Cloud-Anbieter. Ich wollte das anders: alles in einer Oberfläche, die sich anfühlt wie ein vertrautes Office-Programm, aber auf meinem eigenen Server läuft und verschlüsselt ist. Daraus ist mein neues Projekt entstanden: dmOffice – und seit dieser Woche ist es für alle verfügbar: als freie Software auf GitHub, als App in den Unraid Community Applications und mit eigener Android-App.

dmOffice E-Mail: Posteingang mit Menüband, Kategorien und Lesebereich
Mail in dmOffice: Menüband, Ordner, Kategorien und Suchordner – wie in gängigen Office-Programmen.

Was ist dmOffice?

dmOffice ist ein Büro im Browser, das du selbst betreibst – als Docker-Container, zum Beispiel auf einem Unraid-Server. Es bündelt:

  • E-Mail für deine bestehenden Postfächer (IMAP/SMTP, auch Outlook.com)
  • Kalender mit Serien, Erinnerungen und Einladungen
  • Kontakte mit Fotos, Geburtstagen und Adressvorschlägen
  • Aufgaben, Einkaufslisten und Checklisten – auch geteilt
  • Notizen – auf Wunsch abgeglichen mit notizi
  • Dateien im Browser und als Netzlaufwerk per WebDAV

Bedient wird das Ganze so, wie man es von gängigen Office-Programmen kennt: mit Menüband, vertrauten Tastenkürzeln, hellem oder dunklem Design und wählbarer Akzentfarbe – auf Deutsch und Englisch.

E-Mail: deine Postfächer, offline durchsuchbar

Wichtig vorweg: dmOffice ist kein Mailserver. Es holt die Mails per IMAP aus deinen bestehenden Postfächern und verschickt über den SMTP-Server deines Anbieters – wie jedes Mailprogramm. Ein Assistent richtet ein Konto ein: Er fragt zuerst nur nach der Adresse und zeigt dann, was dein Anbieter braucht. Konten von Outlook.com, Hotmail und Live meldest du direkt bei Microsoft an.

Zusätzlich speichert dmOffice die Mails verschlüsselt bei sich – wahlweise alle, die der letzten Monate oder im Modus „Schlank“. Dadurch ist die Volltextsuche über alle Konten und Ordner schnell, gezielt auch mit von:, an: und betreff:.

  • Prio-Posteingang: Die Reiter Relevant und Sonstige trennen Wichtiges von Newslettern und Werbung – und dmOffice lernt mit, wenn du eine Mail verschiebst.
  • VIP-Kontakte und Newsletter abmelden mit einem Klick.
  • Zurückrufen und später senden: Mails gehen erst nach einer kurzen Frist oder zur gewählten Zeit raus.
  • Suchordner, farbige Kategorien, Wiedervorlage und Nachverfolgung mit Fälligkeit.
  • Regeln, ein lernender Junk-Filter und automatisches Leeren von Papierkorb und Junk.
  • Paket-, Flug-, Bahn- und Hotelmails landen auf Wunsch automatisch im Kalender.
dmOffice Prio-Posteingang mit den Reitern Relevant und Sonstige
Der Prio-Posteingang trennt Relevantes von Newslettern und Werbung – und lernt beim Verschieben mit.
dmOffice E-Mail im dunklen Design
Auf Wunsch dunkel: dmOffice im Dark Mode.

Kalender und Aufgaben

Der Kalender kennt Tag, Arbeitswoche, Woche, Monat und Liste, mehrere farbige Kalender, Serien und Erinnerungen. Einladungen nimmst du direkt an, fremde Kalender lassen sich abonnieren. Und Termine darf man einfach hinschreiben: „Zahnarzt morgen Nachmittag“ oder „halb 4“ wird zu Datum und Uhrzeit.

dmOffice Kalender in der Arbeitswochen-Ansicht mit mehreren farbigen Kalendern
Der Kalender in der Arbeitswoche – mit mehreren Kalendern und fälligen Aufgaben.

Die Aufgaben sind mehr als eine To-do-Liste: Mein Tag, Wichtig, Geplant und eigene Listen, dazu Einkaufslisten („2 kg Kartoffeln“ wird zu Menge, Einheit und Artikel) und Checklisten, die man für den nächsten Durchgang zurücksetzt. Listen lassen sich mit anderen Benutzern auf demselben Server teilen. Weil alles als Standard-Aufgabe (VTODO) gespeichert wird, taucht es auch in jeder Aufgaben-App am Handy auf.

dmOffice Aufgaben mit den Listen Mein Tag, Wichtig, Geplant, E-Mail-Nachverfolgung und Notizi-Aufgaben
Aufgaben mit „Mein Tag“, „Wichtig“ und „Geplant“ – und den Kästchen aus notizi als eigene Liste.

notizi und dmOffice: ein starkes Team

Auf diesen Teil freue ich mich besonders. notizi ist meine Notiz-App für Windows (eine Android-Version ist in Arbeit): schnell, schlicht, alles liegt auf dem eigenen Rechner. Seit notizi 1.5 gleicht notizi seine Notizen über einen Ende-zu-Ende-verschlüsselten Abgleichordner ab – und für notizi ist dmOffice dabei einfach ein weiteres Gerät. Deine Notizen sind damit auch im Browser und in der dmOffice-App am Handy da, direkt neben Mail, Kalender und Aufgaben.

Beide Programme kommen vom selben Entwickler und waren von Anfang an aufeinander abgestimmt: dmOffice nutzt für den Abgleich denselben Kern wie notizi.

In drei Schritten verbunden

Der Abgleichordner liegt direkt im WebDAV von dmOffice – eine zusätzliche Cloud oder Nextcloud braucht es nicht. Du brauchst notizi 1.5 oder neuer.

  1. In dmOffice unter Einstellungen → Notizen Adresse und Benutzer kopieren und per Klick ein App-Passwort für notizi erzeugen.
  2. In notizi unter Einstellungen → Sync → Verbindung → WebDAV diese Angaben eintragen, ein E2EE-Passwort festlegen und einmal abgleichen.
  3. Zurück in dmOffice: Notizen einschalten, dasselbe E2EE-Passwort eintragen, die Datenbank wählen und speichern – fertig.
dmOffice Einstellungen → Notizen: Adresse, Benutzer und App-Passwort für notizi, E2EE-Passwort und Datenbank
In dmOffice unter Einstellungen → Notizen steht alles, was notizi braucht – das App-Passwort erzeugt ein Klick.

Was die Zusammenarbeit im Alltag bringt

  • Notizen im Browser: Farben, Ordner, Stern, Kästchen, Listen und Anhänge; Bilder per Einfügen oder Ziehen.
  • Aus Mails werden Notizen: Ein Klick auf „Als Notiz“ speichert eine Mail als Notiz – mit einem Link, der die Mail wieder öffnet, auch wenn sie inzwischen in einen anderen Ordner gewandert ist.
  • Kästchen werden Aufgaben: Jedes ☐ aus deinen notizi-Notizen erscheint in dmOffice in der Liste Notizi-Aufgaben. Abhaken dort setzt den Haken auch in notizi.
  • Kein Datenverlust: Ändert ein anderes Gerät eine Notiz, während sie in dmOffice offen ist, warnt dmOffice und bietet „Als Kopie speichern“ an. Tabellen, Bilder und Codeblöcke aus notizi bleiben unverändert.
dmOffice Notizen mit Ordnern, Stern und Editor
Notizen in dmOffice: Ordner, Farben, Stern und Kästchen.

So sieht das in der Praxis aus: am PC in notizi etwas notieren, unterwegs am Handy in der dmOffice-App nachlesen und im Büro das Kästchen aus der Notiz als Aufgabe abhaken – alles auf dem gleichen Stand und auf dem eigenen Server. Der Ehrlichkeit halber: dmOffice kennt dafür das E2EE-Passwort und entschlüsselt die Notizen, wie jedes andere Gerät im Abgleich auch – aber eben auf deinem Server, in deiner verschlüsselten Benutzerdatenbank. Und natürlich funktionieren die Notizen in dmOffice auch ohne notizi, nur eben ohne Abgleich.

Am Handy: Android-App und offene Standards

Für Android gibt es eine eigene App mit Mail (inklusive Prio-Posteingang und Wischgesten), Kalender mit Agenda-, Tages-, Wochen- und Monatsansicht, Aufgaben und Einkaufslisten, Kontakten und Notizen – dazu Widgets für den Startbildschirm, Benachrichtigungen für neue Mails (auf Wunsch nur von VIPs) und eine App-Sperre per Fingerabdruck. Die App liegt bei den Releases auf GitHub; in dmOffice unter Einstellungen → Apps installieren holst du sie per QR-Code aufs Handy.

dmOffice Android-App: Posteingang mit Relevant und Sonstige
Die Android-App von dmOffice: Mail mit Prio-Posteingang.
dmOffice Android-App: Notizen aus notizi am Handy
Notizen am Handy – über dmOffice auch die aus notizi.

Außerdem bringt dmOffice eigene Server für CalDAV, CardDAV und WebDAV mit. iPhone, Thunderbird oder macOS holen Kalender, Kontakte und Aufgaben also direkt von dmOffice – jedes Gerät mit einem eigenen App-Passwort, das sich einzeln widerrufen lässt. Die Dateiablage bindest du als Netzlaufwerk im Explorer, im Finder oder unter Linux ein. Und am PC lässt sich dmOffice als App (PWA) installieren, mit der Zahl ungelesener Mails auf dem Symbol.

dmOffice Geräte & Sync: Adressen für CalDAV, CardDAV, WebDAV und notizi
Geräte & Sync: Alle Adressen für Handy, Thunderbird, macOS und notizi auf einen Blick.

Deine Daten bleiben bei dir

  • Selbst gehostet: dmOffice läuft als Docker-Container auf deinem Server – kein Cloud-Anbieter dazwischen.
  • Verschlüsselt: Jeder Benutzer hat eine eigene, verschlüsselte Datenbank (SQLCipher) mit eigenem Schlüssel. Wer nur das Datenverzeichnis kopiert, kann nichts lesen.
  • Zwei-Faktor-Anmeldung mit Authenticator-App und Wiederherstellungscodes.
  • Mehrere Benutzer mit Verwaltung für Rechte und Speichergrenzen.
  • Offener Quelltext: Jeder kann nachsehen, was mit den Daten passiert.

Wer mehr Wert auf Eigenständigkeit als auf große Anbieter legt, kennt das Thema vielleicht schon von meinem SyncTClient für Syncthing – dmOffice geht denselben Weg, nur für das ganze Büro.

Installation

dmOffice ist freie Software unter der GNU Affero General Public License 3.0 (AGPL-3.0): kostenlos nutzbar – privat, im Verein oder im Büro –, und der Quelltext liegt offen auf GitHub.

  • Unraid: unter Apps nach dmOffice suchen, Install klicken, den Hauptschlüssel DMOFFICE_MASTER_KEY setzen und den Port wählen – fertig. Updates kommen wie bei jeder Unraid-App.
  • Jeder andere Docker-Host: Das Image heißt ghcr.io/taloan/dmoffice:latest; ein Beispiel für Docker Compose steht auf der Download-Seite.
  • Erster Aufruf: Beim ersten Öffnen legt dmOffice das Verwaltungskonto an. Für Handys und den Zugriff von unterwegs gehört es hinter einen Reverse-Proxy mit HTTPS.

Wichtig: Der Hauptschlüssel entschlüsselt alle Benutzerdatenbanken – also gut aufheben, etwa im Passwortmanager, und getrennt vom Datenverzeichnis sichern.

Fazit

dmOffice ist für mich das fehlende Puzzleteil: Mail, Kalender, Kontakte, Aufgaben, Dateien und – zusammen mit notizi – auch die Notizen, alles an einem Ort und unter eigener Kontrolle. Ich bin gespannt auf euer Feedback: Was nutzt ihr heute für euer „Büro“, und was dürfte in dmOffice auf keinen Fall fehlen? Schreibt es gern in die Kommentare oder als Issue auf GitHub – und wenn euch dmOffice gefällt, hilft ein Stern auf GitHub anderen, es zu finden.

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